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Die Städte in den Medien – Die Städte gehen neue Wege in der Kultur

23. April 2026 – Angesichts der sich verändernden Konsumgewohnheiten im Kulturbereich und der Herausforderungen der Digitalisierung entwickeln sich die Schweizer Städte zu Innovationslabors, um das kulturelle Angebot zugänglich und lebendig zu gestalten. Einige Initiativen setzen sogar auf die Kunst als Hebel zur Verbesserung der Gesundheit.

Die Schweizer Städte modernisieren aktiv den Zugang zum kulturellen Angebot, indem sie digitale Tools integrieren und sich an die neuen Konsumgewohnheiten des Publikums, insbesondere der Jüngsten, anpassen. In Zürich diskutieren die Behörden über die Einführung eines «Kultur-Jugend-GA», mit dem junge Menschen einen vergünstigten Zugang zu Clubs und verschiedenen kulturellen Angeboten der Stadt erhielten. Eine wissenschaftliche Studie mit der ZHAW flankiert dies und versucht das Verhalten der Generation Z zu entschlüsseln, die dem traditionellen abendlichen Ausgehen zuweilen eine Freizeitgestaltung am Tag vorzieht (Neue Zürcher Zeitung, 02.02.2026). Die Stadt Neuenburg wiederum möchte sicherzustellen, dass ihre zukünftigen Projekte tatsächlichen Bedürfnissen entsprechen und bittet die Bevölkerung via Online-Umfrage, ihre Erwartungen an die kulturellen Angebote zu äussern. Diese Befragung soll es dem Amt für Kultur ermöglichen, eine den aktuellen Gewohnheiten der Einwohnerinnen und Einwohner entsprechende Strategie zu definieren (RTS La 1ère, 03.02.2026). Luzern verfolgt einen anderen Ansatz und setzt auf die künstliche Intelligenz: Die AI Local Guides «Lucie» und «Leo» können in 80 Sprachen personalisierte Empfehlungen für Museen und Festivals geben. Dieses Projekt wird in Partnerschaft mit den Reisezielen Basel, Zürich und Graubünden durchgeführt, um eine gemeinsame digitale Infrastruktur für den Schweizer Tourismus zu schaffen (Luzerner Zeitung, 06.02.2026).

 

Über diese Projekte hinaus, die darauf abzielen, die Bedürfnisse der Bevölkerung zu verstehen und das lokale Kulturangebot weiterzuentwickeln, erkunden einige Städte auch neue Verbindungen. Zum Beispiel zwischen der Kultur und anderen gesellschaftlich relevanten Themen wie der öffentlichen Gesundheit: Kultur kann ein Instrument der Gesundheitsförderung und des sozialen Zusammenhalts werden. Das innovative Konzept «Museum auf Rezept» bzw. «Social Prescribing» bietet Ärztinnen und Ärzten die Möglichkeit, kulturelle Aktivitäten aufgrund ihres therapeutischen Nutzens gegen Isolation oder Stress zu verschreiben. In der Romandie führt die Stadt Neuenburg ein Pilotprojekt durch, bei dem die Stadt als Versuchslabor fungiert, um die Wirkung von Kulturbesuchen auf die psychische Gesundheit zu bewerten. Dieses Projekt stösst insbesondere in St. Gallen auf Interesse, wo die Stadtverwaltung die Einführung eines ähnlichen Angebots für ihre Bevölkerung prüft. Die Stadt verfolgt die Ergebnisse in Neuenburg aufmerksam, um sich Klarheit darüber zu verschaffen, wie Kunst in die Gesundheitsversorgung der Patientinnen und Patienten in St. Gallen integriert werden könnte. Vor Neuenburg und St. Gallen haben bereits andere Städte solche Projekte durchgeführt, wie etwa Genf mit der Museumsverordnung oder Lugano mit seinem Projekt «Kulturelle Verschreibungen» (Radio SRF1, 18.02.2026).

 

Kommentar: Julie Courcier Delafontaine, Gemeinderätin der Stadt Neuenburg, zuständig für Kultur, sozialen Zusammenhalt, Integration und Personalwesen. Mitglied der Delegation der Städte im Nationalen Kulturdialog 

Auch wenn nach dem Ende der Covid-19-Pandemie Einigkeit darüber zu herrschen schien, dass Kultur für den sozialen Zusammenhalt unverzichtbar ist und sich positiv auf die Wirtschaft und die Standortattraktivität auswirkt, ist sie nach wie vor – in der problemorientieren Politik – in einer sehr schwachen Position und läuft immer noch zeitweise Gefahr, als Variable für Haushaltsanpassungen betrachtet zu werden.

 

Die Städte übernehmen den Grossteil der Kulturfinanzierung. Sie stehen an vorderster Front, da sie eine direkte Verbindung zu den Kulturszenen und dem Publikum pflegen und deren Realitäten kennen. Die Besonderheit der kommunalen Kulturpolitik liegt dabei in der Breite des Spektrums der unterstützten Akteurinnen und Akteure, das vom Laienchor bis hin zu den renommiertesten professionellen Institutionen für zeitgenössische Kunst reicht. Daher muss die kommunale Kulturpolitik sowohl für Kunstschaffende als auch für Institutionen eine nachhaltige Unterstützung und eine individuelle Betreuung gewährleisten und dabei das Publikum ins Zentrum ihrer Prioritäten stellen.

 

Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Neuenburg einen partizipativen Prozess zur Ausarbeitung der Kulturstrategie 2026–2030 auf den Weg gebracht. Verfolgt wurde dieser Prozess im Rahmen von Workshops für Fachleute des Sektors und einer Umfrage, an der sich alle Personen beteiligen konnten, die in der Stadt leben oder sie besuchen. Neuenburg wird seine Kulturpolitik damit noch besser legitimieren können. Zur Förderung der Kultur bleibt jedoch die Mitwirkung anderer staatlicher Ebenen entscheidend.

 

 

Disclaimer: Mit dem Format «Städte in den Medien» greift der Städteverband ein für die Städte relevantes Thema auf, das die Medien in den letzten Wochen vermehrt behandelten. Der Zusammenfassung liegen die Medienbeiträge in der SSV-Presseschau zugrunde. Eine Stimme aus dem Verband ordnet aus der eigenen Warte ein. Der spezifische Kommentar muss nicht der konsolidierten Verbandsposition entsprechen.

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